Die Farce von Walldorf




Mit großer Verwunderung nahmen wir am Mittwoch zur Kenntnis, dass der FC Astoria Walldorf tatsächlich ein ausverkauftes Stadion zu unserem Nachbarschaftsduell im dortigen Dietmar-Hopp-Sportpark vermeldete. Aufgrund des geringen Zuschauerzuspruchs bei den bisherigen Heimspielen konnten wir uns nicht erklären, wo das plötzliche Interesse an der Astoria herkommen sollte. So waren beispielsweise am 7. Spieltag gegen die TuS Koblenz nur 600 Zuschauer vor Ort. Auch in der jüngeren Geschichte unserer Duelle in Walldorf war das Stadion bisher nur in den Jahren 2008 und 2015 ausverkauft. Am 32. Spieltag der Oberliga Saison 2007/2008 stand der SVW kurz davor, die Qualifikation zur Regionalliga zu erreichen. 2015 brach nach Jahren des Mittelmaßes durch eine neue konkurrenzfähig Mannschaft um Rückkehrer Hanno Balitsch eine Euphorie am Alsenweg aus, die die Zuschauerzahlen enorm in die Höhe trieb. In beiden Jahren dürfte das Stadion jeweils zu zwei Dritteln mit Gästefans gefüllt gewesen sein.

Deswegen waren wie zutiefst verwundert darüber, dass dem SV Waldhof für das Spiel am vergangenen Freitag lediglich ein Kontingent von 600 Steh- und 84 Sitzplatzkarten zur Verfügung gestellt wurde. Ebenso irritierte uns die Ankündigung, dass als Gästefans erkennbaren Personen der Zugang zu Blöcken außerhalb des Gästeblöcke D und B3 verwehrt werden würde. Auch wenn diese 684 Karten deutlich über dem zu garantierenden Gästekontigent von 10% der Gesamtkapazität lagen (bei einer Stadionkapazität von 2.500 Plätzen laut Verbandsliste wären dies 250 Karten gewesen), hätte klar sein müssen, dass es auf Mannheimer Seite ein weitaus größeres Interesse an dem Spiel geben würde. Da es in den letzten Jahren in Walldorf immer problemlos möglich war, sich eine Karte an der Tageskasse zu kaufen, verpassten es trotz des dreitägigen Vorverkaufs zahlreiche Waldhof-Fans, sich rechtzeitig eine Karte zu sichern und wurden schließlich von der Nachricht überrascht, dass das Stadion ausverkauft sei und die Tageskassen geschlossen bleiben würde. Ob es überhaupt möglich ist, von einem „ausverkauften“ Stadion zu sprechen, steht hierbei auf einem anderen Blatt. So berichten mehrere Quellen davon, dass über 500 Freikarten an Jugendmannschaften, Firmen usw. verteilt wurden, was eher für ein „ausverschenkt“ spricht.

Verärgert mussten wir dann Freitag Abend feststellen, dass am Heimeingang doch noch an einer Tageskasse Sitzplatzkarten verkauft wurden. Im Bericht von „Mannheim24“ spricht der Pressesprecher der Astoria über Eintrittskarten, welche am selben Abend wieder zurückgegeben wurden. Unsere Quellen wollen allerdings keine Einzelkarten sondern einen größeren Stapel an Karten gesehen haben. Diese konnten sie nur erwerben, nachdem sie erklärt hatten, keine Gästefans zu sein. Aufgrund der lediglich zur Hälfte gefüllten Haupttribüne liegt auch hier die Vermutung nahe, dass diese zum Großteil mit Freikarten besetzt werden sollte, da wohl nur die wenigsten zahlenden Zuschauer ihre Karte für 12€ einfach verfallen lassen. Auch im Stehplatzbereich neben dem Gästeblock waren große Lücken zu erkennen, weshlab mit Sicherheit die doppelte Anzahl an Personen in diesen Block gepasst hätte.

Gerade im Hinblick auf zukünftige Duelle wie einem möglichen Viertelfinale im diesjährigen BFV-Pokal fordern wir von den Verantwortlichen der Astoria eine glaubwürdige Erklärung für die vielen leeren Plätze und vor allem ein Hinterfragen der eigenen Kartenvergabe. Nach den Erfahrungen vom Freitag wird sich zukünftig wohl niemand mehr von einem als ausverkauft gemeldeten Stadion von der Fahrt nach Walldorf abschrecken lassen. Wir sind der Meinung, dass im Sinne des Sports zukünftig die Karten lieber wieder an die Leute verkauft werden, die ein echtes Interesse daran haben, dem Spiel beizuwohnen – auch wenn diese Gästefans sein sollten.