Ist das der neue Umgang in der „Waldhof-Familie“?

In einem Statement hat die SV Waldhof Mannheim 07 Spielbetriebs GmbH am Montag neue Regelungen zu Tagesticketpreisen bekannt gegeben.

Entgegen der veröffentlichten Preise zum Dauerkartenverkaufsstart vor wenigen Wochen, werden nun nach dem 1. Spieltag ganz andere Preise kommuniziert, die bereits bei der kommenden Partie gegen den SV Meppen um bis zu 25% höher liegen.

Das neue Verfahren, wonach „die Tages-Tickets […] je nach Tabellenstand, Gegner und ggfs. Vorverkaufsphase, ausgehend von der abgebildeten Mindestpreisliste, berechnet [werden]“, ist ein Prozedere, welches nun überhaupt nicht zu einem Verein passt, welcher seinen Ursprung im Arbeitermilieu hat.

Fans dafür zu schröpfen, dass ihr Verein an der Tabellenspitze steht, ist eine höchst bedenkliche und eigenartige Entwicklung im Fußball, die insbesondere nicht zum SV Waldhof passt. Dass in Block 6 das Ticket im günstigsten Fall 1 EUR (5%) weniger kostet, als ursprünglich angekündigt, kann getrost als Augenwischerei abgetan werden. Block 6 ist der kleinste Block auf der ganzen Südtribüne. Die restlichen Tickets dort werden hingegen um 2 bis 5 EUR (10 bis 25 %) teurer, wohlgemerkt im günstigsten Fall.
Bis jetzt wurde nämlich noch nicht einmal veröffentlicht, wie viele weitere Preisstufen es darüber geben soll.

Mit der Begegnung gegen 1860 München steht dann auch schon das erste Spiel mit einem Topspielzuschlag an. Diese Einschätzung ist nach unserer Meinung durchaus zweifelhaft. Der Deutsche Meister von 1966 bringt zwar einen Namen mit, der sich nach Profifußball anhört, sportlich dürften die Münchner nach allgemeiner Einschätzung diese Saison jedoch eher im unteren Tabellendrittel einzuordnen sein. Alles in allem wird ein weiterer, zusätzlicher Zuschlag wohl nicht dazu führen, dass sich deutlich mehr Zuschauer im Carl-Benz-Stadion einfinden werden, zumal der Termin am Montagabend schon von vornherein nicht gerade einen positiven Einfluss auf den Zuschauerzuspruch haben wird.

Es stellt sich auch die Frage, inwieweit durch die neuen Preise überhaupt Mehreinnahmen generiert werden. Es ist gut möglich, dass sich die Zuschauer auf die günstigeren Blöcke verteilen oder – was deutlich fataler wäre – dem Stadion komplett fernbleiben.

Da hier offensichtlich neue Gelder generiert werden sollen, verwundert es uns noch umso mehr, dass der SV Meppen die Sitzplatzkarten im Gästebereich im Carl-Benz-Stadion mit 13 Euro bewirbt. Uns ist klar, dass die Eintrittspreise im Gastbereich sich an vergleichbaren Plätzen im Heimbereich orientieren müssen. Dies hat Markus Kompp kürzlich auch PW gegenüber kommuniziert, dass das Pendant zu den Sitzplätzen auf der Westtribüne die Otto-Siffling-Tribüne sein sollte. PW hat daraufhin mehrere Vorschläge und vergleichbare Kartenpreise von anderen Vereinen vorgelegt, bei denen sich die Sitzplätze im Gastbereich nicht an der Tribüne orientieren, auf der die Heimfans den jeweiligen Block, bei uns die OST, als Stehplatz nutzen. Warum diese Vorschläge nicht umgesetzt werden können oder nicht gewollt sind, entzieht sich mangels Rückmeldung leider unserer Kenntnis.

Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung wirft große Fragen auf und scheint nicht ganz unbewusst gewählt. Nach dem chaotisch gelaufenen Verkauf für das Pokalspiel, ist das Drehen an der Preisspirale nur noch unverständlicher. Bereits in der Vergangenheit wurden Vorverkaufsgebühren auf Auswärtstickets und Tageskassengebühren auf Heimtickets eingeführt. Zudem ist der offizielle Fanbereich, die Otto-Siffling-Tribüne, nicht mehr zu den gängigen Stehplatzpreisen zu haben.

Es zeigt sich, dass der berühmte eine Euro wie bei der Vorverkaufsgebühr sich zunehmend summiert. Ein fairer Umgang innerhalb einer Familie ist dies sicherlich nicht, rein kommerzielle Interessen scheinen zunehmend im Vordergrund zu stehen.

Vertrieb und Preisgestaltung des Produkts stoßen beim Kunden derzeit jedoch auf wenig Gegenliebe.