Gesundes Wachstum – auch für die Waldhof-Jugend!

Hallo Waldhöfer,

wir betrachten die jüngste Entwicklung der Waldhof-Jugend mit Sorge und haben uns entschlossen, uns dazu zu äußern.

Die Bedeutung der Waldhof-Jugend in der Geschichte unseres Sportvereins muss man sicherlich niemandem erklären, der es mit dem SV Waldhof hält. Der bundesweit bekannte Begriff „Waldhof-Schule“ und der bekannte Slogan „Talentschmiede seit 1907“ sprechen für sich. Das „Wunder Waldhof“ 1983 mit dem völlig unerwarteten Aufstieg als Underdog in die 1. Fußballbundesliga konnte nur dank unserer Jugend gelingen. Und auch noch heute spielen zahlreiche am Alsenweg ausgebildete ehemalige Jugendspieler des SV Waldhof europaweit in den höchsten Ligen. Jedoch ging der finanzielle Niedergang unseres Vereins in den 2000er Jahren natürlich auch an der Waldhof-Jugend nicht spurlos vorbei. Weil der finanzielle Spielraum des e.V. zu klein war, um die Jugendarbeit auf traditionell hohem Niveau zu halten, ging der SVW eine Kooperation mit dem „Anpfiff ins Leben e.V. (AiL)“ ein. Diese wurde von Anfang an von vielen Mitgliedern und Fans kritisch beäugt, war zu diesem Zeitpunkt aber die einzige Alternative zum andernfalls massiven Runterfahren der Aktivitäten im Jugendbereich. Um die Finanzierung unserer Jugend nicht gänzlich externen Quellen zu überlassen, engagieren sich – ebenfalls seit vielen Jahren – Vereinsmitglieder und Fans im „Förderkreis der Fußball-Jugend“, mit dem wir als PW seit 2014 eine enge Kooperation pflegen. Nun steht in naher Zukunft die Trennung von AiL an.

Seit dem Einstieg von Bernd Beetz als Investor der GmbH und als Präsident des e.V. wurden die Strukturen rund um die 1. Mannschaft professionalisiert. Der sportliche Erfolg in Form der Rückkehr in den Profifußball nach 16 langen Jahren Amateurfußball ist das Ergebnis dieser Arbeit. Dabei betont Bernd Beetz stets, dass es ihm um einen Prozess des „gesunden Wachstums“ geht, nicht um Erfolg auf Pump. Durch harte Arbeit sollen nachhaltige Strukturen geschaffen werden, damit der SV Waldhof mittelfristig auf eigenen Beinen stehen kann und nicht vom Geld eines einzelnen Investors abhängig ist. Diese Herangehensweise wünschen wir uns über die 1. Mannschaft hinaus auf allen Ebenen unseres Sportvereins, so auch für die Waldhof-Jugend.

Einen Aufbau nachhaltiger Strukturen bei der Jugendarbeit schätzen wir dabei nicht als nur durch eine weitere Ausgliederung machbar ein – ganz im Gegenteil: Wir sehen die Waldhof-Jugend im e.V. am besten aufgehoben und wünschen uns ein gut durchdachtes Finanzierungsmodell für die Jugend, ohne dass sie ausgegliedert werden muss. Eine Möglichkeit wäre aus unserer Perspektive zum Beispiel ein „3-Säulen-Modell“ bestehend aus:

  • einem Sponsorenpool (hierzu könnten unterschiedliche Pakete für große, mittlere und kleine Sponsoren geschnürt werden)
  • dem Förderkreis der Fußballjugend
  • sowie einzelnen Supportern (Privatpersonen, Fans, Vereinsmitglieder, …)

Gerne bringen wir uns in einen Diskussionsprozess ein, wie ein solches oder anderes Modell ausgestaltet und für potentielle Geldgeber attraktiv gestaltet werden könnte. Wir denken, dass es andere Möglichkeiten gibt, als die Kosten für einen ungewissen Zeitraum über ein Darlehen finanzieren zu müssen. Es irritiert uns, dass nach zwei Jahren, in denen der Verein laut eigener Auskunft schon intensiv an der Lizenzierung eines Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) arbeitet, das Darlehens-Modell als erste und bisher wohl einzige Option in Betracht gezogen wurde. Ein Vorschlag, den der e.V.-Aufsichtsrat nur ablehnen konnte. Ebenso irritiert uns, dass nun so kurzfristig mit zahlreichen Entlassungen reagiert wurde. Aufgrund der enormen Bedeutung, die die Jugend in unserer Vereinshistorie hat und auch für die Zukunft des SV Waldhof haben wird, braucht es vor allem für diesen Teil unseres Vereins gebündelte Kraftanstrengungen und langfristige, nachhaltige Konzepte. Hierfür muss das Rad nicht neu erfunden werden, über 50 NLZs in Deutschland schaffen es, sich finanziell zu tragen. Das ist auch bei uns möglich. Wenn „gesundes Wachstum“ ein Credo nicht nur für die Entwicklung der 1. Mannschaft, sondern für den Gesamtverein sein soll, dann werden sich auch ohne Ausgliederung Wege finden, ein NLZ zu finanzieren ohne neue Schulden für den e.V. anzuhäufen.