Zur Verbandsstrafe im DFB-Pokal
In dieser Woche wurde öffentlich bekanntgegeben, welche Strafe der DFB der Spielbetriebs-GmbH für die Vorkommnisse beim Pokalspiel auferlegt hat. Die empfindliche, in der Höhe allerdings erwartbare Geldstrafe trifft den SV Waldhof hart. Über die Sinnhaftigkeit solcher Geldstrafen wurde bereits viel debattiert und wird auch in Zukunft zu sprechen sein. Die Vereine, für die die dritte Liga als solche bereits eine wirtschaftliche Gratwanderung bedeutet, haben mit dieser Art der Bestrafung schwer zu kämpfen, während der Verband die sanktionierten Vergehen als alljährlicher Veranstalter des DFB-Pokalfinals selbst nicht verhindern kann.
Was aus unserer Sicht klar eine rote Linie überschreitet, ist der auferlegte Zuschauer-Teilausschluss, der als Kollektivstrafe fast ausschließlich unbeteiligte Fans trifft. Seit Jahrzehnten kämpfen Fanvertretungen für die Abschaffung dieser absurden Praxis, die eine „Sippenhaft“ darstellt und das rechtsstaatliche Schuldprinzip ad absurdum führt. Dass Straftaten Konsequenzen haben muss jedem Stadionbesucher bewusst sein, jedoch ist es nicht hinnehmbar, dass tausende Waldhof-Fans, die keinerlei Einfluss auf verübte Straftaten oder Störaktionen genommen haben, nun für ein oder zwei Spiele vom Stadionbesuch ausgeschlossen werden sollen. Das DFB-Sportgericht fungiert hier offensichtlich in einer vom Rechtsstaat und seinen Prinzipien abgekoppelten Parallelwelt, in der in Gutsherrenart über den Zuständigkeitsbereich verfügt wird.
Zeigte sich der Verband im Jahr 2017 unter dem damaligen Präsident Reinhard Grindel noch einsichtig und sicherte zu, zukünftig auf die unwirksamen Kollektivstrafen zu verzichten, sind diese offensichtlich mittlerweile wieder das Mittel der Wahl, um in Fällen, die medial großen Aufruhr verursachen, die Muskeln spielen zu lassen.
Zu den mittelalterlichen Ansichten des DFB gehört dann auch, dass am Spieltag selbst jegliche Kritik an dem eigenen Vorgehen aus der Kurve verbannt werden soll und nur es dem DFB genehmigt ist auf der Otto-Siffling-Tribüne Banner anzubringen.


