Waldhof-Tugenden bringen einen Punkt im „kleinen Derby“

Es war ein kampfbetontes Spiel, welches am Sonntag im Carl-Benz-Stadion stattfand. Das positivste gleich vorneweg: Zwischenfälle wie beim letzten Aufeinandertreffen vor drei Jahren gab es wie erwartet keine. Im Gästeblock fanden sich nur 70 Mann aus der Pfalz ein, die wohl nicht mitbekommen hatten, dass ihre erste Mannschaft zeitgleich auf Punktejagd war. Wie dem auch sei, auf Waldhöfer Seite tat man traditionell zu Beginn der Partie seine Abneigung gegen diesen ganz besonders unsymphatischen Verein kund, um sich im Folgenden ganz auf die eigene Mannschaft zu konzentrieren. Diese war ja bekanntlich alles andere als zufriedenstellend in die Saison gestartet und den Fans mindestens ein leidenschaftliches Spiel schuldig.
Der in den letzen Wochen oft mangelhafte Einsatz war am Sonntag jedoch definitiv auf dem Rasen zu sehen. Hohe Motivation beider Teams, Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen, Tore und Karten sowie eine sehr emotionale, aber friedliche Atmosphäre zeichneten dieses Spiel vor 4300 Zuschauern aus. Die kleinen Lautrer ließen sich jedoch von Beginn an nicht von der feindseligen Stimmung im Stadion beeindrucken, sondern agierten ebenso leidenschaftlich wie die Blau-Schwarzen auch. Schon früh gelang den Gästen nach einem Stellungsfehler in der Waldhöfer Abwehr die Führung per Kopf, was sie zu provozierenden Jubelgesten in Richtung Otto-Siffling-Tribüne hinreißen ließ. Unsere Mannen zeigten jedoch zum Glück die richtige Reaktion und forcierten umgehend den Ausgleichstreffer. Der am heutigen Tag alles überragende Dennis Franzin markierte diesen etwas später zur großen Freude des blau-schwarzen Anhangs.
Leider erhielt Jure Colak dazu gleich noch die rote Karte. Ob er wirklich zugeschlagen hat oder nicht, lässt sich wohl nicht gänzlich aufklären. Von der OST war es nicht zu erkennen. Bis zur Halbzeit bekämpften sich beide Mannschaften weiterhin aufs Schärfste und der Schiedsrichter war heute um seinen Job sicher nicht zu beneiden. In der Halbzeit kühlten sich die Köpfe wohl merklich ab, denn im zweiten Durchgang wurde es deutlich ruhiger auf dem Platz. Der SVW verteidigte nun das Unentschieden, während die Roten weitere gute Chancen verzeichnen konnten. Ein heute sehr gut aufgelegter Rainer Adolf sowie die Latte verhinderten jedoch eine Niederlage. Nach Abpfiff wurde es noch einmal kurz hektisch, als aus einer Unterhaltung zwischen dem Schiri und Lauterns Torwart Müller eine Rudelbildung entstand, die auch auf den Tribünen die Emotionen hochkochen ließ. Ansonsten verlief aber alles in geordneten Bahnen. Selbst die Mannheimer Polizei, der man in der Vergangenheit ja leider nur selten gelungene Einsatzstrategien attestieren konnte, zeigte sich am Spieltag deeskalierend und hielt sich stets im Hintergrund. Die Fans bewiesen, dass dies die richtige Entscheidung war. Die zahlreichen Stadtverbote im Vorfeld der Partie waren dagegen alles andere als der Situation angemessen, sondern unverhältnismäßig!

Nun muss die Mannschaft am Freitag in Großaspach zeigen, dass der leidenschaftliche Einsatz für unsere Raute kein Strohfeuer war und sie ab sofort bereit ist, in jedem Spiel zu kämpfen. Denn genau das wollen die Waldhof-Fans sehen und dann klappt es sicherlich auch bald wieder mit drei Punkten!