Mannheimer Morgen: Willigs Traum – Ein Innenminister im Fanblock

Mannheim. In einem gemeinsam erarbeiteten und offenen Brief haben das Präsidium des SV Waldhof und dessen wichtigste Fanvertretungen gemeinsam an alle 36 Profivereine appelliert, das DFL-Sicherheitskonzept abzulehnen. Als derzeitiger Viertligist seien die Blau-Schwarzen aktuell zwar nicht betroffen. Trotzdem fühle sich der Regionalligist verpflichtet, sich in der Sache zu Wort zu melden.

Martin Willig, Mitarbeiter des kommunalen Fanprojektes Mannheim/Ludwigshafen, erklärt das Kernanliegen: „Ein tragfähiges Konzept, das in der Fanszene anerkannt würde, kann es nur geben, wenn die Fans selbst in den Dialog eingebunden werden. Dies ist die einzig vertretbare Lösung.“

Willig befürchtet, dass Verbände und Vereine dem zuletzt gewachsenen Druck seitens der Politik „nur deshalb wohl zustimmen werden, um die Politik anschließend wieder aus dem Sport fernhalten zu können. Das ist ein Schulterschluss, der gegen geltendes Recht in Deutschland verstößt und dabei die große Masse der neutralen und friedlichen Stadionbesucher erneut unter Generalverdacht stellt.“

Er zieht einen Vergleich zu anderen Veranstaltungen: „Man stelle sich vor, vor einem Eishockey- oder Handballspiel oder sogar vor einer Konzertveranstaltung in der Mannheimer SAP Arena müssten sich einzelne Besucher bis auf die Unterhose entblößen.“ Gewalt sei unverändert ein soziales Problem, das sich tagtäglich an vielen Orten der Republik abspiele.

„Keiner will Verletzte“

„Keiner von uns will Verletzte im Stadion oder um dieses herum. Von einer zunehmenden Gewalt in deutschen Arenen zu sprechen, ist jedoch ohnehin falsch. Wer Woche für Woche Fußballspiele besucht und sich intensiv damit beschäftigt, weiß, dass der Prozentsatz, der im Verhältnis zu allen Straftaten im Land bei Fußballspielen auftritt, bei aktuell 0,05 Prozent liegt“, erklärt Willig. Wie ein effektiver Dialog realistisch umsetzbar sei, erörtert er am Beispiel des SV Waldhof: „Hier gibt es regelmäßig einen Austausch mit Präsidium, Geschäftsführung und Fanvertretern. In der Vor- und auch in der Nachbearbeitung.“

Willig denkt, dass nach einer Verabschiedung des Konzeptes die Protestaktionen der Fans ins neue Jahr mitgenommen werden könnten: „Mein Wunschtraum, der es trotz Weihnachtszeit wohl bleiben wird, ist, dass sich ein Bundesinnenminister auch einmal in einen Fanblock stellt und dabei erkennt, dass Fanarbeit viel Sozialarbeit leistet. Und, dass er sich auch einmal Stimmen aus der Kurve anhört.“ robo

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 12.12.2012