Darstellung der Ereignisse rund um das Derby in Kaiserslautern am 06. März 2013

Leider ist es am Rande unseres Auswärtsspiels bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern vereinzelt zu gewalttätigen Vorkommnissen gekommen. Wir wehren uns jedoch entschieden dagegen, die Ursache hierfür einseitig auf der Seite der mitgereisten Waldhof-Fans zu suchen.

Rund die Hälfte der 850 Waldhof-Fans reiste per Zug an und der Fußweg vom Hauptbahnhof zum Fritz-Walter-Stadion wurde ohne jegliche Störungen zurückgelegt. Obwohl eine große Anzahl der anreisenden Fans keine Karten hatten und demnach die Tageskasse aufsuchen mussten, wurde den ankommenden Mannheimern zunächst durch eine Polizeikette der Weg zu den Kassen versperrt. Dies sorgte für Unverständnis und Unmut unter den Fans. Wir können keinen nachvollziehbaren Grund finden, weshalb sich die Polizei in dieser Situation so positionierte und damit die bis dahin völlig friedfertige Atmosphäre aufheizte. Alle neuralgischen Punkte, an denen ein Aufeinandertreffen zwischen Heim- und Gästefans überhaupt möglich gewesen wäre, waren zu diesem Zeitpunkt schon durchquert. Bedauerlicherweise löste sich in dieser nun aufgeheizten Atmosphäre eine kleine Gruppe von Fans aus dem Pulk und versuchte die Einlasskontrollen zu überwinden. Hierbei kam es zu vier Festnahmen. Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass dieses Verhalten unter keinen Umständen zu rechtfertigen ist, jedoch Pressemeldungen zurückweisen, die von 850 (sic!) Fans in diesem Zusammenhang sprechen.

Danach beruhigte sich die Situation schnell wieder und auch während des Spiels gab es keine negativen Vorkommnisse zu verzeichnen. Nach dem Abpfiff der Partie verließen die Mannheimer Fans zwar enttäuscht, aber ruhig den Block. Auf dem Vorplatz des Stadions öffnete die Polizei die Tore jedoch nur einen kleinen Spalt, um eine absolut unverständliche „Sortierung“ der Fans vorzunehmen: Dort sollte jeder einzelne der 850 Waldhöfer in die Gruppen „Autofahrer“ oder „Zugfahrer“ zugeteilt werden. Wer einen Autoschlüssel dabei hatte, durfte das Stadion in Richtung Parkplatz verlassen, wer keinen vorzeigen konnte, musste im Stadion bleiben. Damit nahm die Polizei bewusst in Kauf, dass ein großer Stau an dieser geöffneten Stelle der Tore entstand. In solchen Situationen kann es dann bei größeren Menschenansammlungen zu einem Gedränge kommen. So waren am vergangenen Mittwoch die Leidtragenden diejenigen Fans in den vorderen Reihen, welche durch den Druck von hinten quasi immer mehr auf die Polizeikette geschoben wurden. Anstatt dem entstehenden Druck nachzugeben und zurückzuweichen, reagierte die Polizei mit dem massiven Einsatz von Pfefferspray, um die Menge zurückzudrängen. Von dem Pfefferspray wurden zahlreiche Fans und laut Polizeiangaben auch Beamte verletzt. Die Atmosphäre zwischen der Polizei und den Fans war in der Folge sehr aufgeheizt. Während anschließend rund 400 Fans ohne Probleme ihren Weg in Richtung Parkplatz zu ihren PKWs fortsetzen konnten, wurde den etwa 450 Fans, welche zum Bahnhof mussten, zunächst der Weg versperrt. Anstatt auf Deeskalation zu setzen und die Fans unaufgeregt gen Bahnhof zu begleiten, stoppte die Polizei immer wieder ohne ersichtlichen Grund den Fußmarsch und zögerte somit den Rückweg mehrmals hinaus. Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen einigen aufgebrachten Fans und der Polizei, bei denen die Beamten massiv Pfefferspray und teilweise auch Schlagstöcke einsetzten.

Das Auftreten der Polizei vor und nach dem Spiel hinterlässt leider den faden Beigeschmack, dass die Eskalation der Lage an diesem Tag geradezu provoziert anstatt zu verhindern versucht wurde. Die primäre Aufgabe der Polizei sollte es doch eigentlich sein, gerade auch in der emotional aufgeladenen Atmosphäre eines Derbys, die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrecht zu erhalten. Durch das Versperren der Wege zu den Kassen, die billigende Inkaufnahme eines Gedränges am Ausgang sowie die mehrmalige grundlose Verzögerung des Rückwegs hat sie jedoch genau das Gegenteil bewirkt.

Neben dem Fehlverhalten einiger Waldhof-Fans und dem fragwürdigen Auftreten der Polizei, muss an dieser Stelle auch die überwiegend einseitige Berichterstattung im Nachgang der Ereignisse kritisiert werden. Auffällig ist, dass in vielen Fällen der journalistischen Pflicht nach eigener Recherche nicht nachgekommen wurde. Es wurde häufig einfach der Polizeibericht abgeschrieben, anstatt fundierte Informationen einzuholen. Solch unseriöse Pressearbeit hat dann leider auch zur Konsequenz, dass teils unrealistische Zahlen in den Umlauf kommen. So war zu lesen, dass 900 Problemfans aufeinander losgegangen und 850 Waldhof-Fans den Eingang gestürmt haben sollen.

Noch erschütternder ist jedoch, wenn ein gewählter Volksvertreter wie der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, auf Basis von nachweislich falschen Zahlen polemische Forderungen erhebt. Trotz der unschönen Vorkommnisse rund um das Spiel, war dieses Derby glücklicherweise weit von einer angeblichen neuen Dimension der Gewalt entfernt. Es ist verantwortungslos und gefährlich, eine auf Unwahrheiten basierende Drohkulisse via Medien aufzubauen.

Darüber hinaus zeigen die hysterischen Forderungen nach mehr Repressionen leider, dass die nach den deutschlandweiten „12:12“ Protesten von allen Seiten geforderte neue Sachlichkeit wohl bisher nur ein frommer Wunsch war. Auch die fanunfreundlichsten Maßnahmen, wie eine Anstoßzeit um 14 Uhr an einem Werktag, können Gewalt im Fußballfeld scheinbar nicht komplett verhindern. Der reflexartige Ruf nach noch mehr Repression zeigt deutlich, dass wir uns in einer Spirale befinden, aus der wir nur durch einen verstärkten Dialog aller Beteiligten ausbrechen können. Wir fordern Herrn Lewentz daher dazu auf, den direkten Kontakt zu PRO Waldhof zu suchen, um endlich einen ersten Schritt in die Richtung eines aufrichtigen Dialogs zu gehen.

PRO Waldhof e.V. im März 2013

Stellungnahme als PDF