111 Jahre SV Waldhof – Tradition und Zukunft!

Hallo Waldhöfer,

heute in einer Woche hat unser geliebter Sportverein Waldhof Mannheim 07 e.V. mal wieder Geburtstag. Eine Schnapszahl wird es diesmal sein. 111 Jahre Leidenschaft. 111 Jahre Mannheimer Sportgeschichte, 111 Jahre working class football. Und vor allem: 111 Jahre Kampf!

Denn wenn es ein Merkmal gibt, das sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte zieht, dann ist es wohl dieses Credo: „Es war doch noch nie leicht, also packen wir das auch noch!“ Waldhof, ob Verein oder Stadtteil, hieß noch nie, es besonders einfach zu haben. Waldhof hieß schon immer kämpfen zu müssen.

Vergangenheit

Als sich am 11. April 1907 in der Hubenstraße 20 im Gasthaus „Zum Tannenbaum“ 42 junge Fußballbegeisterte trafen, um gemeinsam den SV Waldhof 07 e.V. zu gründen, konnten sie sicher nicht ahnen, was sie da lostreten würden. Sie konnten nicht wissen, dass sie gerade einen Verein gründen, der weit über ein Jahrhundert später immer noch viele Menschen in seinen Bann ziehen wird. Aber den Spirit, der diesen Verein bis heute prägt und auszeichnet, den haben diese 42 Gründerväter ihm schon damals am Tag 1 eingehaucht. Wenn man sich anschaut, was das für Leute waren, die unseren Sportverein aus der Taufe hoben, dann verwundert das nicht: Junge Männer, die zuvor teilweise bei der Fußballgesellschaft Ramelia, bei Viktoria Waldhof oder auch beim MFC Phoenix gekickt hatten und die größtenteils direkt auf dem Waldhof oder in den umliegenden Arbeitervierteln lebten. Französische „Gastarbeiter“ aus der Spiegelsiedlung auf dem Luzenberg. Buwe, die zumeist in den umliegenden Fabriken gearbeitet haben. In ihrer Freizeit jagten sie dem runden Lederball nach und solange, bis ihnen an der Altrheinstraße das sogenannte „Schlammloch“ zur Verfügung gestellt wurde, stand ihnen hierfür kein geeigneter Platz zur Verfügung. Das Fußballspielen wurde auf den Gassen des Viertels gelernt. Oder im Spiegelwäldchen auf dem Luzenberg einfach um die Bäume herumgespielt. So entstand die hohe technische Finesse, für die die Waldhof-Buwe der ersten Stunde bekannt waren. Man machte also von Anfang an aus der Not eine Tugend und versuchte das Beste aus den Umständen rauszuholen. Es war eben noch nie leicht.
Die Jugend war auch in der weiteren Geschichte unseres Sportvereins immer das größte Kapital des SVW. Geld war nie vieles da, manchmal nur wenig, manchmal viel zu wenig und manchmal auch weniger als wenig. War der Nachwuchs gut in Form, dann lief es auch im Gesamtverein sportlich gut. Wenn nicht, dann eher weniger.

Gleiches galt auch schon immer für den Stadtteil Waldhof. Es ist eben keiner der zentral gelegenen Stadtbezirke, die viel Aufmerksamkeit durch die Stadtverwaltung und Politik bekommen. Es ist ein Randbezirk. Hier lebte nie das Bürgertum, hier saß nie das große Geld, hier standen nie die Theater, Museen oder Konzerthäuser der Stadt. Hier gab es zuerst fast nichts (außer viel Wald) und ab der Industrialisierung dann die Fabriken und Arbeitersiedlungen. Hier lebten seither immer die sogenannten „einfachen Leute“. Und hier musste man Dinge schon immer selbst in die Hand nehmen. Es war eben noch nie leicht.

Gegenwart

Vieles ändert sich im Laufe der Zeit. Aber manches bleibt. Waldhof, ob Verein oder Stadtteil, ist auch heute noch weit vom großen Rampenlicht entfernt. Wer wüsste das besser als wir Fans, die wir unseren SVW nun schon das fünfzehnte Jahr in Folge durch den Amateurfußball begleiten. Eine Insolvenz mit Direktabstieg von Liga 2 in Liga 4, knapp an einer zweiten Insolvenz vorbeigeschlittert, ein finanziell bedingter Zwangsabstieg in Liga 5 mit direktem Wiederaufstieg, jahrelanges Mittelfeldgeplänkel in Liga 4, zwei verlorene Relegationen hintereinander. Es ist eben nicht leicht. Aber wir versuchen wie immer das Beste daraus zu machen und deshalb greifen wir dieses Jahr ein drittes Mal in Folge an! Die zwei schweren Spiele gegen den direkten Mitkonkurrenten OFC in der Liga und den haushohen Favoriten KSC im Pokal stehen in den kommenden Wochen an. Wir sind bereit und motiviert!

Darüber hinaus plagen den Heimatstadtteil unseres SVW bekanntlich auch noch ganz andere Sorgen. Dass ihre Anliegen und Bedürfnisse bei den Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft kaum eine Rolle spielen, bekommen die Bewohner des Luzenbergs derzeit mal wieder deutlich vor Augen geführt. Dem durchschnittlich jüngsten Stadtteil Mannheims wird entlang des Altrheins, rund um das Waldhofbecken und den Spiegelpark, ein Ensemble an hochpreisigen Wohnkomplexen vor die Nase gebaut, das das Potential hat die bisherige Sozialstruktur des Viertels völlig zu sprengen. Einen richtigen Beteiligungsprozess für die Anwohner gab es nicht, auch wenn dieser jetzt im Nachhinein, wo die Bauarbeiten schon längst laufen, inszeniert wird.
In Waldhof-West wünschen sich die Menschen schon lange einen Sportplatz hinter der Waldhof-Schule, der sowohl für die Schüler, als auch für die Bewohner des Viertels eine deutliche Steigerung der Lebensqualität bedeuten würde. Quasi einen „neuen Sandacker“ an der Stelle, wo einst Legenden wie Otto Siffling und Seppl Herberger auf dem alten Sandacker auf Punktejagd gingen. Da das Gelände über Jahrzehnte in Firmenbesitz war, wurde die Hoffnung darauf schon fast begraben. Aber jetzt, wo die Firma St. Gobain das Gelände verkaufen möchte, wollen die Anwohner die Gelegenheit nutzen und wieder für ihre Idee werben. (Siehe auch Interview mit der Bürgerinitiative im SWR). Mit großer Unterstützung durch die Stadt ist hierbei leider nicht zu rechnen. Es ist eben nicht leicht. Hier auf dem Waldhof, wo man die Dinge schon immer selbst in die Hand nehmen musste.

Zukunft

Klar ist: Waldhof, ob Verein oder Stadtteil, wird auch in Zukunft bedeuten, dass wir für unsere Interessen selbst einstehen und kämpfen müssen. Die Geschichte und die Gegenwart zeigen uns dies deutlich. Waldhof wird auch in Zukunft bedeuten, dass wir manchmal gegen den Strom schwimmen und Widerstand organisieren müssen. Für einen SV Waldhof, in dem die Leidenschaft zum Sport an erster Stelle steht! Für einen Stadtteil Waldhof, in dem die Interessen der Bewohner im Mittelpunkt stehen!

Lasst uns diesen Spirit, den unser geliebter Verein seit nunmehr fast 111 Jahren wie eine DNA in sich trägt, auch weiterhin leben. Ist die Zeit auch manchmal schwer, wir halten die Treue! Und wir machen das Beste daraus.

Um auf den geilsten Verein der Welt und auf uns anzustoßen, treffen wir uns nächsten Mittwoch, dem 11. April 2018, um 19:07 Uhr am Seppl-Herberger-Platz vor der Waldhof-Schule. Bringt Ureich und gute Laune mit!

Blau-schwarz-blaue Grüße,

Fandachverband PRO Waldhof e.V
Bürgerinitiative Waldhof-West „Alter Waldhof“