Stellungnahme zum Pokalspiel
Nach einem aufwühlenden Derby, welches einen aufopferungsvollen Kampf unserer Buwe nicht belohnte und denkbar unglücklich mit dem falschen Sieger endete, gibt es Themen, die aufgearbeitet werden müssen.
Die Begleiterscheinungen dieses extrem emotional aufgeladenen Spiels haben stellenweise die Grenzen des Zumutbaren überschritten. Aktionen, die in den Ablauf eines Fußballspiels eingreifen oder Menschen in Gefahr bringen, sind strikt abzulehnen und erweisen letztendlich der Fankultur einen Bärendienst, indem sie Wasser auf die Mühlen der Law-and-order-Fraktion im Fußball und der Politik sind, die auch im aktuellen Fall nun wieder prominent auf den Plan tritt. Unter den genannten Aktionen verstehen wir vor allem Würfe von Gegenständen auf das Spielfeld, den Gebrauch von Böllern und von Pyrotechnik als Wurfgeschoss sowie das Betreten des Innenraums.
Nachdem sich verschiedene Stimmen in der öffentlichen Berichterstattung genötigt sahen, den Einsatz der Polizei beim Derby positiv hervorzuheben, gibt es aus unserer Sicht auch hier Klärungsbedarf. Es darf durchaus hinterfragt werden, wie das Betreten des Innenraums durch 15-20 Personen, welche sich innerhalb kürzester Zeit, noch vor Verlassen des Sechzehners in Richtung Mittellinie, wieder in den Block begeben haben, einen derartigen Aufmarsch mehrerer Hundertschaften inklusive mehrerer Pferde auf dem Platz rechtfertigt. Anstatt die zu diesem Zeitpunkt weitestgehend beruhigte Lage zum Anlass zu nehmen, sich zurückzuziehen, wurde im Anschluss mit erhobenen Schlagstöcken auf die Otto-Siffling-Tribüne zumarschiert, was zu Zaunrüttelei im Bereich der Fluchttore im H-Block und der OST führte. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Innenraum durch keinen Zuschauer mehr betreten. Dennoch sah sich das bayerische USK, welches bereits im Vorfeld der Partie am Einlass und im Bereich zwischen Marathontor und Tribüne ein Drohszenario hervorrief, dazu veranlasst, im Bereich von Block 7 die Otto-Siffling-Tribüne vom Rasen aus zu stürmen. Anschließend verteilte man eine gewaltige Ladung Pfefferspray wahllos in die Menge. Wer sich zu diesem Zeitpunkt auch nur in der Nähe des Geschehens befunden hat, weiß, dass es hier zur Katastrophe hätte kommen können. Blockierte Fluchttore durch die Polizei, Menschen, die keine Luft mehr bekommen und nirgends hinkönnen, all das hätte in einer Massenpanik enden können, bei der es zu weiteren schweren Verletzungen und schlimmerem hätte kommen können. Dies wurde offenbar durch die beteiligten Beamten und den Einsatzleiter billigend in Kauf genommen. Das Ausmaß der Verletzungen, die durch den Polizeieinsatz hervorgerufen wurden, lässt sich noch nicht erfassen.
Bei allen erfolgten Grenzüberschreitungen durch Fans ist diese Vorgehensweise durch nichts zu rechtfertigen und hat Menschen in Gefahr gebracht. Eine deeskalierende Strategie hätte die Lage weiter beruhigt und einen schnellen Wiederanstoß ermöglicht. Es ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, aus welchem Grund eine auswärtige Polizeieinheit mit zweifelhaftem Ruf bei einem solch brisanten Spiel derart das Ruder an sich reißen kann.
Wir wünschen allen Verletzten eine baldige Genesung und werden mit dem Verein in den Dialog gehen, um das Spiel am vergangenen Freitag in allen Facetten aufzuarbeiten und unseren Teil dazu beizutragen, zukünftig Geschehnisse möglichst zu verhindern, die zu Spielunterbrechungen und einem Eingreifen der Sicherheitskräfte führen.
PRO Waldhof e.V.











